Was man beim Logodesign alles falsch machen kann!

Diesen Beitrag widme ich allen meinen Studenten, Schülern und Kollegen die sich mit dem Design von Logos beschäftigen.

Das hier beschriebene Beispiel zeigt eigentlich ALLE FEHLER die ein “Designer” bei der Erstellung eines Firmenlogos machen kann.
Brandaktuell und völlig real, aus Gründen des Datenschutzes nenne ich keine Namen der beteiligten Agentur und des Kunden der dafür viel Geld bezahlt hat.

1. Das Logo wird im falschen Farbmodus erzeugt:
Eigentlich ist es ja selbstverständlich, aber manche verstehen es einfach nicht, oder es sind wirkliche Amateure am Werk. Es macht absolut keinen Sinn ein Logo in RGB zu entwerfen! Das ergibt nur unkalkulierbare Probleme im Druck wenn im RGB Modus Farben definiert werden! Deshalb IMMER im CMYK Modus ein Logo entwerfen!

logo-rgb1

2. Die 1. Farbe:
Das vorliegende Logo ist 2-färbig, eigentlich eine sehr simple Sache – sollte man zumindest meinen. Als 1. Farbe wurde hier Schwarz definiert. Da ein Logo in unterschiedlichen Größen und auf unterschiedlichen Materialien gedruckt wird, sollte hier nicht mit einer Mischfarbe gearbeitet werden. Beiliegender Screenshot zeigt einen typischen Umwandlungsfehler. Hier war der Designer schlampig und hat als “Schwarz” eine RGB Farbe verwendet und diese dann beim Umwandeln in CMYK übersehen. Also: Das Schwarz sollte hier NUR 100% Schwarz enthalten. Für Sondereinsätze könnte man das Logo natürlich auch mit einer Prozessfarbe unterlegen (z.B. Digitaldruck auf stark saugenden Materialien)logo-farbe1
Besonders übel ist hier auch der rechnerische Gesamtfarbauftrag mit 350% viel zu hoch, was hier auf völlig falsche Farbeinstellungen im Programm hin weist. Hier dürfte es sich um Unkenntnis im Bereich des Druckes und der Farbprofile handeln…

3. Die 2. Farbe:
Bei der verwendeten 2. Farbe ergibt sich natürlich ein änliches Problem, die Farbdefinitionen sind völlig falsch und unsinnig. Wie soll ein RIP einen Farbwert von 9,96% oder von 99,39% definieren? Da fallen die unsinnigen 2,44% Schwarz nicht mehr ins Gewicht. Wahrscheinlich hat der “Designer” noch nie was von einem Punktverlust im Druck gehört…

logo-farbe2

4. Die Grösse des Dokumentes:
Das Erstellen eines Logos ist in den meissten Fällen ein Prozess der analog mit Zeichenstift und einem Blatt Papier beginnt. Dieses sog. “Scribble” wird dann in einem Vektororientierten Programm digital umgesetzt. Hier hat den Menschen am Bildschirm der digitale Grössenwahn befallen, bzw. wahrscheinlich hat besagter Mensch auch beim Erstellen des Dokumentes Maßeinheiten wie Millimeter und Punkt verwechselt…

Ein Dokument mit 577cm Länge bereitet nicht nur beim Ausdruck ein Problem, auch beim Exportieren in andere Dateiformate und beim Einfügen in Layoutprogramme (für eine Visitkarte müsste das Dokument auf 1% Grösse reduziert werden!!) entstehen hier nahezu unbrauchbare Dateien.

dokumentgroesse

Also: Bleibt beim A4 Format, dafür machen wir Logos ja in Vektorprogrammen!!

5. Die Pfadteilung:
Das Highlight allerdings habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Das beiliegende 2-färbige Logo besteht auch aus 2 unterschiedlichen – sich überlappenden – Objekten. Die Pfadansicht zeigt dass der ausführende Mensch lediglich ein Objekt über ein anderes gelegt hat und keine Ahnung von Pfaden und deren Auswirkungen hat. Hier würde das Objekt in 4 Teile zerschnitten werden, was z.B. bei einem Schneideplott für die Beschriftung von Autos und Schildern zu einem nicht verarbeitbarem Logo führt. Hier sollte man schon die Funktion eines “Pathfinders” kennen…

schnittbild



Fazit:
Vorliegendes Beispiel ist ein Musterbeispiel an technischem Unvermögen und Unwissen.
Mediendesign ist ja nur zu einem Teil “Design”, der Rest ist “Technik” und diese muss man genauso beherrschen wie die Farb- und Formlehre.

Ich werde vorliegende Anleitung und Datei als Musterbeispiel dafür verwenden um meinen Studenten und Schülern zu zeigen welche “Leuchten” noch immer in manchen Agenturen ihr Dasein fristen und die von mir ausgebildeten Menschen werden sowas sowieso nie machen, weil ich ihnen dafür schon in der Ausbildung den Kopf abgerissen hätte!

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